Europa, hol Dir Deinen Anteil an der Zukunft!

  1. Blockchain ist Teil unserer Zukunft

Für viele Leute noch unbemerkt nimmt die Geschwindigkeit von Innovationen weltweit ständig zu. 2008, wohl nicht zufällig auf dem Höhepunkt der globalen Subprime-Krise hat Satoshi Nakamoto[1] die Blockchain und darauf basierend den Bitcoin erfunden. Im Kern eigentlich nur ein elektronisches Kassenbuch, hat dieses doch die Fähigkeit, unzählige Institutionen zu ersetzen. Banken, Versicherungen, vielfältigste Staats- und Verwaltungsaufgaben sowie gute Teile des Internets und viele andere Funktionen können – und werden – durch die Blockchain (wenigstens teilweise) ersetzt[2].

Der Kryptomarkt ist vor allem im letzten Jahr geradezu explodiert und damit ist nicht nur der Zuwachs des Marktwertes, sondern auch die Zunahme der Projekte und des bestehenden Codes gemeint. Hier wird definitiv ein Teil der Zukunft unserer Gesellschaft entwickelt. Das geht zwischen dem Heraufbeschwören einer Blase auf der kritischen Seite und dem „when lambo“ auf der allein finanziell motivierten Seite gern unter.

Die distributed ledger Technologie ist ein im Grundsatz demokratisches Produkt. Die meisten Projekte sind open source. Jeder kann die Chains einsehen und abfragen, verschiedenste Chains runterladen und selbst betreiben, kann Token für sich entwickeln und beliebig ausstatten und kann in vielen Projekten abstimmen und mit entscheiden.

  1. Verbot von Kryptowährungen

Durch das große Wachstum sind die Regierungen auf das Phänomen aufmerksam geworden. Angeblich soll eine Regulierung erforderlich sein, obwohl der gesamte Marktwert von Kryptowährungen verschwindend gering ist. Richtig ist zwar, dass es Auswüchse gibt, richtig ist aber auch, dass diese weithin bereits geregelt sind[3].

Distributed ledger Technik ist jedoch gleichzeitig unglaublich wehrhaft. Sie läuft auf praktisch allen Computern der Welt, selbst auf Mobiltelefonen. Sie braucht nur wenig Datenverkehr und kann nach derzeitigen Maßstäben nicht entschlüsselt werden. Zwar können Einträge auf einer Blockchain häufig eingesehen und verfolgt werden. Es gibt jedoch viele Techniken, privacy und damit letztlich Anonymität[4] herzustellen. Für einzelne Staaten ist es unmöglich, hier volle Kontrolle herzustellen und selbst ein abgestimmtes Vorgehen von guten Teilen der Welt würde sie nicht mehr verschwinden lassen. Die Büchse der Pandora ist geöffnet[5].

Die Regierungen der Welt ringen also bereits jetzt um den richtigen Umgang mit der Blockchain. Laissez faire bzw. „do no harm“[6] wie man es gestern grade aus dem US Senat vernimmt oder versuchte totale Kontrolle, wie es China am Tag davor beschlossen hat[7], indem alle ausländischen Exchanges der chinesischen Firewall unterstellt wurden. Das heißt zwar kein Verbot der Blockchain an sich, doch dürfte es zumindest teilweise mit der Dynamik bei der Entwicklung neuer Blockchain Projekte vorbei sein.

  1. Zeit für Europa

Bisher ist die Blockchain und sind die Kryptowährungen weitgehend an Europa vorbei gegangen. Der Anteil des Euro bei dem Handel mit Kryptowährungen liegt bei 7,2 % und damit sogar unter dem des südkoreanischen Won[8]. Das spiegelt weder den Bevölkerungsanteil Europas noch gar die Wirtschaftskraft Europas wieder. Europa ist hier stark unterrepräsentiert.

In Folge der Entscheidung der chinesischen Regierung, Kryptowährungen ganz zu bannen, sind jetzt aber viele Chinesen gezwungen gewesen, ihre Kryptowährungen zu verkaufen. Dies hat eine starke Korrektur ausgelöst, heute sind Kryptowährung günstig wie seit Dezember nicht mehr[9].

Insofern kann es sich als großes Glück für Europäer heraus stellen, dass die chinesische Regierung eine derart drastische Entscheidung getroffen hat. Diese Chance sollte und muss Europa jetzt nutzen. Die EU sollte eine smart Regulation einführen. Die Blockchain ist ein Freund von Staaten, ein Bewahrer von Daten[10]. Das gleiche gilt für die europäische Bevölkerung. Sie sollte den freiheitlichen und demokratischen Ansatz der Distributed Ledger Technologie unterstützen und sich an Kryptowährungen beteiligen. Gerne, um von Kurssteigerungen zu profitieren, aber eben auch, um die Teilhabe und die Mitsprache bei der Gestaltung unserer Zukunft zu sichern. Europa hat mit dem Kurssturz eine zweite Chance bekommen. Jetzt gilt es, sie zu nutzen und das entstandene Vakuum zu nutzen.

[1] Wer oder wieviele das auch immer waren/sind.

[2] Blockchain nur als Obergriff für distributed ledger Technik gedacht, welche Technik (in Betracht käme z.B. auch DAG – Direct Acyclic Graph) sich evtl. durchsetzt, ist noch nicht absehbar.

[3] Vgl. die Ansprache des Leiters der US Börsenaufsicht SEC vor dem Senatsausschuss für Banken mit vielen Beispielen: https://www.banking.senate.gov/public/_cache/files/a5e72ac6-4f8a-473f-9c9c-e2894573d57d/BF62433A09A9B95A269A29E1FF13D2BA.clayton-testimony-2-6-18.pdf.

[4] Was nur am Rande auch eine sehr relevante Funktion von (Bar)Geld ist.

[5] In dem Fall handelte es sich aber um die zweite Öffnung, die nicht das Übel, sondern die Hoffnung entweichen ließ, denn derzeit ist die Blockchain die einzige Antwort auf eine umfassende Kontrolle von Daten durch einige Wenige.

[6] So der Präsident der CFTC vor einer Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senates, s. https://www.coindesk.com/cftc-to-take-do-no-harm-approach-on-crypto-regulation/.

[7] https://cointelegraph.com/news/ban-complete-china-blocks-foreign-crypto-exchanges-to-counter-financial-risks.

[8] https://www.coindesk.com/3-reasons-the-global-cryptocurrency-exchange-market-is-maturing/.

[9] Im schnelllebigen Kryptomarkt ist das eine lange Zeit.

[10] Was die EU als besonders relevant ansieht, wie die Datenschutzgrundverordnung beweist, s. http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX%3A32016R0679.